
Warum sie in traditionellen Kulturen als Medizin für ein „unglückliches Leben“ galten
In vielen traditionellen Gesellschaften wurden Krankheiten nicht nur als körperliche Störung verstanden, sondern als Zeichen einer verlorenen Ordnung . Wenn ein Mensch immer wieder Unglück erlebte – körperlich, emotional oder im Lebensweg – sagten Schamanen und Heiler sinngemäß:
„Du weißt schon, was gemeint ist.“
Nicht als Vorwurf, sondern als Hinweis darauf, dass die Ursache tiefer als das Symptom liegt .
Krankheit als Zeichen von Trennung
Aus schamanischer Sicht entsteht Leid häufig dann, wenn ein Mensch:
- den Kontakt zu sich selbst verliert
- gegen seinen inneren Rhythmus lebt
- Dauerhaft unterdrückte Emotionen trägt
- Seine Rolle im Leben spürt man nicht mehr
Unglück, wiederkehrende Krisen oder innere Leere galten deshalb nicht als Zufall, sondern als Signal , dass etwas Wesentliches nicht mehr stimmig ist.
Lehrer-Pflanzen als Medizin im ursprünglichen Sinn
Lehrer-Pflanzen wurden medizinisch betrachtet – allerdings nicht im heutigen, rein pharmakologischen Sinn. „Medizin“ bedeutete (Der Begriff „Lehrer-Pflanzen“ wird hier sinnbildlich verwendet, um Erfahrungsräume zu beschreiben, nicht um Pflanzen eine handelnde Absicht zuzuschreiben)
- Wiederherstellung von Ordnung
- Rückkehr zur eigenen Wahrnehmung
- Die Erinnerung an das ging verloren
Diese Pflanzen sollten nicht „reparieren“, sondern erkennen lassen . Sie galten als Lehrer, weil sie dem Menschen zeigten:
- Wo er sich selbst verlassen hat
- welche Emotionen nicht gelebt wurden
- wo Angst oder Anpassung das Leben steuern
„Du weißt schon“ – was Schamanen damit meinten
Wenn Schamanen sagten „du weißt schon“ , meinten sie:
- Die Wahrheit ist nicht unbekannt
- Sie ist nur verdeckt
- Der Mensch spürt sie längst, hört aber nicht darauf
Lehrer-Pflanzen wurden eingesetzt, um diese innere Wahrheit wieder zugänglich zu machen – nicht durch Lehre, sondern durch Erfahrung.
Medizin für Bewusstsein, nicht nur für den Körper
Lehrer-Pflanzen wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
- körperlich (Regulation, Entspannung, Aktivierung)
- emotional (Zugang zu Gefühlen)
- geistig (neue Perspektiven)
- sozial (Rückbindung an Gemeinschaft und Verantwortung)
Deshalb wurden sie nie isoliert verwendet, sondern eingebettet in:
- Rituale
- Gespräche
- Zeiten der Stille
- Phasen der Integration
Ohne diese Einbettung galt ihre Wirkung als unvollständig.
Unglück als Hinweis, nicht als Strafe
Ein zentrales Verständnis war:
Unglück ist keine Strafe , sondern ein Wegweiser.
Wenn ein Mensch immer wieder:
- in falschen oder verletzenden Beziehungen landet
- körperliche Beschwerden oder dauerhafte Erschöpfung entwickelt
- Keine echte Freude mehr empfindet
- das Gefühl hat, „nicht richtig zu sein“
Dann sah man das als Zeichen, dass die Seele nicht dazugehören wird .
Lehrer-Pflanzen halfen dabei, diese innere Stimme wieder wahrzunehmen – manchmal sanft, manchmal deutlich, aber immer mit dem Ziel der Rückverbindung .
Warum dieses Wissen heute wieder auftaucht
In modernen Gesellschaften wird Leid oft schnell behandelt, aber selten verstanden. Symptome werden bekämpft, während die Ursachen bestehen bleiben:
- Dauerstress
- Sinnverlust
- Trennung von Natur
- fehlende innere Orientierung
Deshalb tauchen alte Praktiken und Pflanzen heute wieder im Bewusstsein auf – nicht als Rückschritt, sondern als Ergänzung zu einem System, das den Menschen oft nur funktional betrachtet.
Wichtige Einordnung
Diese Sichtweise ersetzt:
- keine moderne Medizin
- keine Therapie
- Keine persönliche Verantwortung
Sie ergänzt eine Dimension, die lange vernachlässigt wurde:
das innere Wissen des Menschen über sein eigenes Leben.
Fazit
Lehrer-Pflanzen wurden von Schamanen und Heilern als Medizin verstanden, weil sie nicht nur Symptome beeinflussten, sondern Sinn, Richtung und Selbstwahrnehmung .
Wenn ein Leben aus dem Gleichgewicht geriet, lautete die Botschaft nicht:
„Du bist kaputt.“
Sondern:
„Du weißt bereits, was nicht stimmt – jetzt erinnerst du dich.“
In diesen Sinne waren Lehrer-Pflanzen nie Fluchtmittel, sondern Werkzeuge der Erinnerung – an das, was ein Mensch im Innersten längst weiß.